Energiesparen unterm Dach

Groß war die Verwirrung in den letzten Jahren beim Thema „Energetische Gebäudesanierung“: Die Frage, ob die Dämmung und energieeffiziente Modernisierung eines in die Jahre gekommenen Hauses lohnt, wurde von Experten verneint und von Studien bejaht – und anders herum.

Die Wahrheit liegt wohl eher in der Mitte und ist eine gute Nachricht für Hausbesitzer, die eine energetische Sanierung ihres Gebäudes planen: Es muss nicht immer eine Komplettsanierung sein, denn gerade Teilsanierungen erreichen eine hohe (Energie-) Effizienz. Das heißt vor allem: Man spart so viel Energie und damit Kosten, dass sich die Investition in absehbarer Zeit amortisiert. Dieser Artikel gibt einen Überblick über das Was, Wie und Warum der energetischen Gebäudesanierung.

Dämmung von Wänden

Dreiviertel des Energiebedarfs eines Altbaus entfällt auf die Erzeugung von Raumwärme. Vor allem in der kalten Jahreszeit entweicht die Wärme zu schnell durch Wände, Dach, Keller und Boden, wenn Häuser unzureichend gedämmt oder undicht sind.

Bei nicht oder nicht ausreichend gedämmten Außenwänden ist der Wärmeverlust im Handumdrehen – und das im wahrsten Sinne des Wortes – fühlbar. Die Folge: ein unbehagliches Raumgefühl trotz hohen Heizaufwandes im Winter und zu schnelles Aufheizen im Sommer. Deshalb sollte für eine energetische Gebäudesanierung eine nachträgliche Dämmung der Außenwand auf jeden Fall eingeplant werden – auch weil sie an fast jeder Fassade durchgeführt werden kann.

Die Energieeinsparverordnung fordert bei einer Dämmung der Außenwand von außen einen U-Wert von 0,24 W/m2 K, was etwa 14 cm Dämmstoff bei einer Wärmeleitgruppe 035 entspricht. Dabei bieten sich vier Varianten an:

  • Wärmedämmverbundsystem
  • Vorhangfassade
  • Kerndämmung
  • Innendämmung

Die erste Variante, das Wärmedämmverbundsystem, auch Thermohaut genannt, besteht aus Dämmstoffplatten, die direkt auf den vorhandenen Außenputz geklebt werden. Darüber wird eine Schicht mit Armierungsmörtel und Armierungsgewebe aufgebracht, die Temperaturspannungen ausgleichen und als Grundlage für den Außenputz dienen. Die Stärke der Dämmstoffplatten sollte bei bestehenden Gebäuden aus wirtschaftlicher Sicht 16 cm (bei einer Wärmeleitgruppe des Dämmstoffs von 035) nicht unterschreiten, wenn dies bautechnisch möglich ist.

Die zweite Variante der nachträglichen Außenwanddämmung ist die Vorhangfassade: Dabei wird als erstes eine Unterkonstruktion an der Außenwand angebracht. Wie beim Wärmeverbundsystem wird der Dämmstoff an der Wand befestigt und sollte mindestens 16 cm (bei Wärmeleitgruppe 035) dick sein. Als letztes wird das Ganze mit einer Verkleidung aus Holz, Schiefer oder Faserzementplatten versehen.

Die dritte Variante, eine nachträgliche Kerndämmung, sieht folgendermaßen aus: Hier wird der etwa 4 bis 8 cm breite Hohlraum zwischen den beiden Mauerschalen mit einem wasserabweisenden Dämmstoff im Schütt- oder Einblasverfahren ausgefüllt. Wichtig ist hier, dass sich der Dämmstoff gleichmäßig im Hohlraum verteilt hat.

Die vierte Variante: Ist eine Außendämmung nicht möglich oder erlaubt, bleibt nur die Anbringung einer Innendämmung. Hier sollte mit einer innen angebrachten Folie als Dampfsperre gearbeitet werden. Das geschieht, um verschiedene Widrigkeiten wie Pilzbefall und Mauerschäden durch von innen eindringende Raumluft und Kondensation, zu vermeiden.

Bei Innendämmungen fordert die Energieeinsparverordnung einen U-Wert von 0,35 W/m²K, was einer Dämmstoffdicke von etwa 10 cm bei einer Wärmeleitgruppe 035 entspricht. Innendämmungen sollten nur unter Beteiligung von Fachleuten wie z. B. Bauphysikern ausgeführt werden!

Dämmung des Daches

Jeder in einem unsanierten Haus kennt das: Im Dachgeschoss ist es häufig im Winter zu kalt und im Sommer zu warm. Die Dämmung von geneigten Dächern ist für ausgebaute Dächer wie auch für unbewohnte Dachgeschosse lohnenswert, denn in beiden Fällen lässt sich Energie einsparen und Wohnkomfort steigern.

Wenn Dachaufbauten geändert werden, die Dacheindeckung erneuert oder ein Dach umgebaut wird, fordert die Energieeinsparverordnung für ein Steildach einen U-Wert von 0,24 W/m2K. Das Dämmmaterial sollte aus wirtschaftlichen Gründen eine Mindeststärke von 20 cm bei einer Wärmeleitgruppe 035 aufweisen, wenn die Dachkonstruktion bzw. die Sparrenhöhe es zulässt.

Abb. 1: Braun statt Gelb: Zwischensparren-Dämmung mit unkaschiertem Glaswolle-Dämmstoff (Quelle: Knauf Insulation GmbH)

Dämmung der Kellerdecke

Für die in Erdgeschosswohnungen oft auftretende „Fußkälte“ ist die ungedämmte Decke zum meistens unbeheizten Keller verantwortlich. Das führt grundsätzlich zu erhöhten Energieverlusten und teilweise auch zu Schimmelpilz.

Durch eine unterseitig angeklebte oder angedübelte Dämmplatten ist dieses Problem leicht in den Griff zu bekommen. Dabei richtet sich die Dämmstoffdicke nach der vorhandenen Raumhöhe im Keller und nach der verbleibenden Höhe für Fenster- und Türstürze. 8 bis 10 cm sind unter wirtschaftlichen und energetischen Gesichtspunkten für die energetische Gebäudesanierung sinnvoll.

Sanierung von Fenstern und Türen

Fenster gewähren in den meisten Wohngebäuden nicht nur Ein- und Ausblick, sondern sind auch der Lieblingsweg für abfließende Energie nach außen (im Winter) und hereinkommende Energie nach innen (im Sommer). Zu Recht gelten Fenster als die Bauteile mit dem geringsten Wärmeschutz.

Insbesondere Häuser, die Anfang der 1970er Jahren gebaut wurden, haben auch heute noch die ursprüngliche Einfachverglasung. Erst danach war es üblich, die Fenster mit Isolierverglasung auszurüsten, die die Wärmeverluste um mehr als 50 Prozent verringerte. Die seit den 1990er Jahren gängige Wärmeschutzverglasung reduziert die Energieverluste demgegenüber noch einmal um die Hälfte.

Heute übliche 2-fach Wärmeschutzverglasungen erreichen einen U-Wert von 1,1 W/m2K. Sie sorgen durch eine wärmere innere Scheibe für mehr Behaglichkeit und Komfort. Noch mehr Energie lässt sich durch Dreifachverglasung einsparen. Diese erreicht einen U-Wert von 0,6 W/m2K. Werden Fenster saniert, schreibt die Energieeinsparverordnung einen U-Wert von 1,3 W/m2K, bzw. 1,4 für Dachflächenfenster vor. Dieser Wert gilt aber nicht nur für das Glas, sondern für das gesamte Fenster mit Glas und Rahmen.

Fazit

Hausbesitzer sollten beim Thema „energetische Gebäudesanierung“ zuallererst an die passive Energieeffizienz wie z. B. Wärmedämmung denken, bevor etwaige Maßnahmen zur aktiven Energieeffizienz, beispielsweise durch eine Solarstromanlage oder Energiemanagement, umgesetzt werden.

Einsparungen beim Energieverbrauch und die Verringerung des Energieverlustes sollten bei der Planung erste Priorität haben. Schließlich lässt sich nach einer Studie der Deutschen Energieagentur durch die Gebäudesanierung rund 76% des Energieverbrauches einsparen.

Die Basis bzw. „Schale“ des Hauses muss in Ordnung sein, bevor man auch den „Kern“ des Hauses energieeffizient gestaltet. Dabei ist mit gesundem Augenmaß zu beachten, wie viel man ausgibt und viel man über welchen Zeitraum damit spart.

Eigentlich sollte dabei immer gelten, dass Hausbesitzer immer diejenige Investition als erstes realisieren, die den größtmöglichen Einspareffekt bei geringstmöglichem Einsatz bringt. Und da bietet die Hausdämmung Möglichkeiten in Hülle und Fülle.

Weiterführende Informationen unter:
www.dena.de
www.energieagentur.NRW.de
www.gdi-daemmstoffe.de

Bildquelle: RainerSturm  / pixelio.de

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