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Wer möchte das nicht: energetisch unabhängig sein und beim Wohnkomfort keine Abstriche machen müssen. Die Energie, die man benötigt, selbst erzeugen. Nur: Ist das sinnvoll? Und: Ist das heute schon ohne Weiteres möglich oder ratsam? Energieautark wohnen, wir geben Antworten.

Was heißt Autarkie?

Nach seiner altgriechischen Herkunft bedeutet Autarkie Selbständigkeit oder Selbstgenügsamkeit. Bezogen auf die Energie, die ich fürs Wohnen benötige, bedeutet das: Den Energiebedarf, den ich im Haus habe, muss ich (zu 100 %) mit der Erzeugung im, auf, neben oder unter dem Haus decken – und so ohne fremde Hilfe auskommen. Ich bin also Selbstversorger, was die Energie angeht.

Effizienzhaus: Gebäude mit „Energie-Quote“

Bei der Vielzahl der verschiedenen Begriffe und damit verbundenen Definitionen und Eigenschaften ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Bei manchen Siegeln, wie dem von der Deutschen Energie-Agentur (dena) vergebenen „Güte-Siegel Effizienzhaus“ geht es um die Menge an eingesparter Energie im Vergleich mit einem Neubau, der allen gesetzlichen Förderbedingungen entspricht (100 %).

Je niedriger dabei die (Prozent-)Zahl auf dem Siegel ist (Abb. 1), desto besser. Sie sagt, wie groß der Energiebedarf des Hauses in Relation zum Mindestwert, also 100 % ist. Ein Haus mit einer „55“ auf dem Güte-Siegel weist also genau 55 % des gesetzlichen Normbedarfes auf.

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Abb. 1: Da ist drin, was drauf steht: Die Zahl auf dem Effizienzsiegel der dena gibt das Verhältnis zum Normverbrauch von 100% an. (Quelle dena)

Nullenergiehaus und Plusenergiehaus: Bedarf gedeckt – oder mehr

Demgegenüber sagen die Bezeichnungen Null- und Plusenergiehaus etwas über das Verhältnis von produzierter und benötigter Energiemenge aus. Während ein Nullenergiehaus über das Jahr gesehen ebenso viel Energie erzeugt wie verbraucht, produziert ein Plusenergiehaus in der Jahresbilanz mehr Energie als die Bewohner verbrauchen, wie der Name schon vermuten lässt.

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Abb. 2: Energetische Maßnahmen kommen an: Die überwiegende Mehrheit ist zufrieden mit dem Effekt. (Quelle: dena)

Autarkie und was drin steckt

Um sich ein Bild von Energie-Autarkie zu machen und davon, was ich dafür zu Hause alles brauche, stellt sich die Frage: Was muss angeschafft werden, um unabhängig vom Energieversorger zu sein? Zum einen sind Investitionen und Komponenten zur Stromproduktion und -speicherung notwendig: In der Regel ist das eine Photovoltaik-Anlage, die den zu Hause benötigten Strom produziert. Die Leistung der Anlage variiert je nach Verbrauch und Nutzungsgewohnheiten.

Auch kommt man um einen relativ großen Speicher nicht herum, damit man überschüssigen Strom „zwischenlagern“ kann – und beispielsweise erst abends für Beleuchtung, Fernsehen oder PC braucht.

Zum andern geht es um die Wärmegewinnung und -speicherung. Das geschieht in den meisten Fällen mit einer (oft sehr „stromfressenden“) Wärmepumpe oder Solarthermie-Anlage.

Dämmung nicht vergessen

Darüber hinaus sollte man die Dämmung des (alten) Hauses im Auge haben. Unbedingt müssen alte Fenster ausgetauscht werden sowie eine Dämmung an Fassaden und Dach angebracht werden. Das mindert die Energiemenge, die im Winter zum Heizen bzw. im Sommer zum Kühlen aufgewendet werden muss.

Fazit

Insgesamt muss sehr genau taxiert werden, was und wie viel man für welchen Zweck investiert. Das Ziel, eine ausgeglichene Energiebilanz oder gar ein Plus zu erreichen, ist sicherlich lobens- und erstrebenswert. Jedoch ist darüber hinaus eine echte Autarkie, d.h. eine „Kappung“ der Verbindung zum öffentlich Stromnetz, nicht anzuraten.

Die Gründe: Erstens steht es im Widerspruch zum Trend einer Vernetzung von dezentralen Stromproduzenten und des ständigen Austausches von Stromangebot und -bedarf im Zeichen des Smart Grid. Und zweitens ist im Regelfall der finanzielle Aufwand dafür so groß, dass er eine Amortisation der getätigten Investition in zeitlich weite Ferne stellt.

Abgesehen davon fehlt drittens schlicht und einfach die Notwendigkeit. Man sollte sich in Deutschland des Luxus eines fast störungsfreien Stromnetzes bewusst sein. Wer einmal die (fehlende) Verlässlichkeit der Stromversorgung in Südeuropa oder Asien erlebt hat, gibt die Sicherheit hierzulande nicht so einfach freiwillig auf.

Nützliche Links:
www.ifu-umweltenergie.de
www.dena.de

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